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Eine Theaterreise von Rom nach Wittenberg

von April bis Juli 2012

auf den Spuren Martin Luthers anlässlich des 500. Jahrestages seiner  Wanderung durch Italien, Frankreich, die Schweiz und Deutschland

Infos

Via Lutheri

Wie der Marburger Reformationshistoriker Professor Dr. Hans Schneider in einer kürzlich (März 2011) erschienenen Publikation nachgewiesen hat, war die Romreise Martin Luthers für seine Entwicklung zum Reformator weitaus wichtiger als bisher allgemein angenommen. Auch konnte Schneider erstmals den Rückweg Luthers von Rom nach Wittenberg zeitlich und in seinen Stationen angeben, so dass die geplante Theaterreise entlang dieser Strecke aktuelle Forschungsergebnisse nachvollziehbar darstellt.

Es ist nicht nur seine längste Reise (zeitlich wie räumlich) gewesen und nicht nur die einzige, die ihn über die Grenzen Deutschlands hinausgeführt hat und so für seine Weltkenntnis wichtig wurde. Vor allem sind ihm durch die Ereignisse und Konflikte, die zu dieser Reise führten und sie begleiteten, wesentliche Erfahrungen und Erkenntnisse zugewachsen, die er in der Folge zum spirituellen und intellektuellen Herzstück aller reformatorischer Theologie weiterentwickelte. In den Auseinandersetzungen jener Zeit innerhalb seines Ordens um die rechte Form mönchischen Lebens wurde ihm nämlich vor Augen geführt, dass es nicht so einfach ist mit der Gerechtigkeit in dieser Welt, dass sich vielmehr häufig Recht und Recht, Frömmigkeit und Frömmigkeit gegenseitig bekämpfen und dass die sittenstrengsten Menschen oft die heillosesten sind.

Angebliches “Haus des Pilatus” in Vienne
von Luther beschrieben

Von da aus war es dann nur noch ein (wenn auch entscheidender) Schritt hin zu seiner Einsicht, die er als erlösende Offenbarung begriffen hat, dass fromme Werke nicht zur Seligkeit führen, ja eher ein Hindernis darstellen auf dem Wege dahin, weil sie zum Hochmut verleiten. Aus der Tiefe seiner Verlorenheit in der Welt, so Luther, kann niemand sich selbst retten; das tut Gott ganz allein, vielmehr, er hat es längst getan.

Neben den Mühen des Weges (oft weit über 40 km pro Tag), den Unbilden der Witterung und den ständig neuen Eindrücken in der auch sprachlich fremden Umgebung sind es vor allem solche theologische Fragen gewesen, die den 28-jährigen Mönch auf seinem rund 2.500 km langen Fußmarsch beschäftigten.

Im Jahre 1993 haben 50 Menschen von Wittenberg aus den 1718 km langen Hinweg Luthers nach Rom über den Septimerpass unter die Füße genommen. 2012 wollen wir mit 200 Menschen der Rückweg durch Italien, Frankreich und die Schweiz wagen.

Leider hat Luther keine Wegbeschreibung seiner Reise hinterlassen, aber Schneider konnte wahrscheinlich machen, dass er von Rom aus eine Hafenstadt an der italienischen Westküste erwanderte, von dort aus per Schiff nach Nizza übersetzte und dann über Aix, Avignon, Lyon, Genf, Zürich und Augsburg nach Wittenberg gelangte. Eine Reihe von Städten auf diesem Weg haben bis heute lebendige Erinnerungen an einen Aufenthalt Luthers bewahrt.

Wenn wir nun 500 Jahre später diese Reiseroute nachvollziehen, wollen wir damit keine Geisterbeschwörung betreiben. Wir wollen vielmehr in aller Bescheidenheit eine Annäherung versuchen an Ereignisse und geistige Bewegungen, die damals ihren Anfang nahmen und die die Welt verändern sollten.

Eine solche Annäherung ist, so meinen wir, ohne das Medium der Kunst unmöglich. Es wird daher eine “Künstlerbrigata” (Schauspieler, Maler, Musiker) unseren Wanderzug begleiten und in den Städten und Dörfern am Wege auftreten

Diese Städte und Dörfer sollen gebeten werden, den Wandernden Botschaften mitzugeben an einen, mehrere oder alle anderen Orte auf dem Weg. Diese Botschaften werden später veröffentlicht, um europäische Verbundenheit zu dokumentieren und zu zeigen, dass das Auftreten Luthers nicht nur Trennung und Spaltung, sondern auch neue Nähe, neue Berührungen und ein neues Miteinander bewirkt hat und noch bewirkt.

Besonders freuen würden wir uns in diesem Zusammenhang, wenn wir aus dem Vatikan die frohe Botschaft in die Welt tragen könnten, der päpstliche Stuhl habe seine im Jahr 1520 verkündete Deklaration zurückgezogen, die da besagte, Gott wünsche die Verbrennung aller Häretiker. Wir arbeiten daran.

Papst Julius II. 1443-1513

Natürlich sind wir uns dessen bewusst, dass wir die Reise Luthers nicht in vollem Sinne nachvollziehen können. Es gilt, ein Nachempfinden mit allen Sinnen zu versuchen. Was der lange und harte Weg mit uns machen wird, ist eine spannende Frage.

Schön wäre es, wenn es gelänge mit unserem Wandern eine neue Marke zu kreieren: den ersten europäischen Lutherweg, auf dem dann einmal ebenso viele Menschen unterwegs sind wie jetzt auf dem (historisch schlechter begründeten) Jakobsweg. Bei Kafka heißt es: „ Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“

Mit Volksfesten wird der Lutherzug in Rom verabschiedet und in Wittenberg empfangen. Aber auch dazwischen wird es mannigfache Empfänge und Begegnungen geben.

Nicht alle Wanderer werden den Weg in seiner ganzen Länge zurücklegen können, sie haben die Möglichkeit, auf Teilstrecken dabei zu sein.

Symbolon des Zuges ist der Fliegende Schwan (nach einer alten Prophezeiung von Jan Hus, die auf Luther gedeutet wurde). Begleiten wird ihn auch ein Blatt des Ökumenischen Olivenbaumes, den die Vertreter verschiedener Kirchen im Januar 2011 bei der römischen Kirche St. Paul vor den Mauern gepflanzt haben.

Jeder Teilnehmer erhält ein Gewand und ein Liederbuch, welches unter anderem die Hymne des Zuges enthält.

Übernachtet wird nach Tagesetappen von ca 30 – 40 km je nach Wunsch und Möglichkeit in Wanderheimen, Jugendherbergen, Schulen, Hotels, Pensionen oder Zelten. Jede Woche gibt es einen Ruhetag.

Kaiser Maximilian I. 1449-1519

Die Romfahrt im Auftrag seines Mönchsordens steht am Beginn des öffentlichen Wirkens von Martin Luther. Dass er für diese Mission ausgewählt wurde, stellt zugleich einen Vertrauensbeweis seines Ordensoberen dar, des Generalvikars der deutschen Kongregation der Augustiner-Eremiten Johann von Staupitz, und begründet das tiefe und für die weitere Entwicklung wichtige freundschaftliche Verhältnis der beiden Männer. Von nun an wird Luther eine immer wichtigere Rolle im Orden spielen, bis er um 1517 der einflussreichste deutsche Augustiner nach Staupitz ist.

Der Weg des Mönches Martin Luder (so nannte er sich damals noch) von Rom nach Wittenberg ist auch ein Stück seines Weges zum Reformator Martin Luther. Diesen Weg einer breiteren Öffentlichkeit im In- und Ausland darzustellen, dazu will die Theaterreise „ Via Lutheri “ im Rahmen der Lutherdekade und in Vorbereitung des Reformationsjubiläums 2017 einen weithin sichtbaren Beitrag leisten.

Ulrich Pfingsten